Chronik des Kindergartens Herz-Jesu in SAARLOUIS Lisdorf.
Im Januar 1914 gab der Minister für Geistliches und Schulangelegenheiten den Franziskanerschwestern, die ihre Niederlassungen in Saarlouis und Ensdorf hatten, die Genehmigung, eine Kinderbewahrschule und eine Nähschule in Lisdorf einzurichten. In den Räumen der Mädchenschule neben dem jetzigem Feuerwehrgerätehaus in der Großstrasse wurde unter schwierigen Bedingungen die Kinderbewahrschule für eine kleine Gruppe eingerichtet. Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges mußte die Einrichtung zeitweilig geschlossen werden, weil die Räume von Soldaten belegt waren und anschließend nach Ausbruch der Ruhr als Lazarett benutzt wurden. Im Jahre 1915 konnte die Kinderbewahrschule wieder eröffnet werden und die offizielle Meldung beim Bistum Trier erfolgte. Aus Sorge um eine schlechte Versorgungslage der Bevölkerung während des 1. Weltkrieges entschlossen sich die Zivil- und Kirchengemeinde, in Lisdorf eine Schwesternniederlassung einzurichten. Im März 1917 übertrug der Minister die Genehmigung über die Führung einer Kinderbewahr- und Nähschule auf die "Herz-Jesu-Schwestern". Die Herz-Jesu-Schwestern deren Mutterhaus in Wien steht, mußten die Einrichtung in den Kriegsjahren oft schließen, um sich der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung widmen zu können. Erst lange nach Ende des Krieges, im Jahre 1920, konnte der Kindergartenbetrieb unter der Leitung von Schwester Gerarda und Schwester Winfrieda kontinuierlich weitergeführt werden. Im November 1932 bezogen die Schwestern ihr neues Schwesternhaus neben der Kirche. Der Kindergarten wurde in einem einstöckigen Anbau beim Schwesternhaus untergebracht. Durch die Evakuierung der Bevölkerung während des 2. Weltkrieges mußte der Kindergarten wiederum geschlossen werden. Erst nach Ende des 2. Weltkrieges konnte die Betreuung der Kleinkinder und der weiblichen Jugend wieder aufgenommen werden. Von 1931 bis 1974 war Schwester Lintrudis als Kindergartenleiterin tätig. Im Jahre 1957 wurde der Kindergarten beim Schwesternhaus unter tatkräftiger Mithilfe der Lisdorfer Bevölkerung aufgestockt. Die Schwestern die ihr pädagogisches Konzept hauptsächlich auf der Lehre Fröbels stützten, verknüpften stets die Betreuung von Kleinkindern mit der Unterweisung der heranwachsenden weiblichen Jugend. Die Ortspfarrer der Gemeinde Pastor Josef Spengler, Pastor Alois Löw, Pfarrer Ernst Seiwert, Pastor Karl Detemple zeigten stets großes Verantwortungsbewußtsein für die familienergänzende Erziehung ihrer jüngsten Pfarrkinder. Unser jetziger Pastor Anton Heidger führt diese Tradition fort und ist Ansprechpartner für die Kindergartenkinder und ihre Eltern. Auch die Pfarrangehörigen der Pfarrei Sankt Crispinus und Crispinianus zeigten für die Kleinsten Verantwortungsbewußtsein und Opferbereitschaft. Als es den Schwestern im Laufe der Jahre immer schwerer fiel, den Kindergarten mit allen finanziellen Anforderungen durch ständige Reparaturen- Unterhaltungs- und Personalkosten gerecht zu werden, übernahm die Pfarrgemeinde im Jahre 1970 den Kindergarten in ihre Trägerschaft. 1974 schied Schwester Lintrudis aus dem Kindergarten aus und Frau Monika Leitel übernahm die Leitung. Mittlerweile war die Zahl der Kinder im Kindergarten auf 93 gestiegen und die räumlichen Gegebenheiten entsprachen nicht mehr den Richtlinien des Vorschulgesetzes. Daher entschloß sich 1974 die Pfarrgemeinde, einen neuen Kindergarten zu bauen. Trotz der Zuschüsse des Bistums, der Landesregierung, des Landkreises und der Stadt Saarlouis, war die Belastung für die Kirchengemeinde noch sehr groß. Die Lisdorfer Bevölkerung zeigte beispielhaftes Engagement und veranstaltete 1975 unter dem Motto: "Vereint bauen wir in unserem Ort den Kleinsten einen Hort" einen viertägigen Kinderbasar. Viele Hände regten sich damals wie heute und helfen nun schon seit 75 Jahren dem Kindergarten in allen Nöten und Sorgen. Vom November 1978 bis März 1982 stellte die Stadt drei Räume in der Grundschule Prof. Ecker in Lisdorf zu Verfügung, um die Kindergartenkinder aufzunehmen. Während dieser Zeit wurde die Schwesternniederlassung geschlossen, das alte Schwesternhaus mit Kindergartenanbau abgerissen und ein neuer Kindergarten neber der Kirche errichtet. Als am 24. April 1982 der neue Kindergarten bezogen war, und sich die Kinder endlich in wirklich kindgerechter Umgebung entfalten und entwickeln konnten, waren alle Lisdorfer von großem Stolz und großer Zufriedenheit erfüllt. Obwohl nun ein großes Ziel erreicht war, spürten alle dem Kindergarten verbundene Lisdorfer, daß das gemeinsame Sorgen für die Kleinen nicht nur einem finanziellem Zweck diente, sondern auch eine große ideelle Bedeutung hat, nämlich die Kleinsten in die Pfarrgemeinde einzubinden und ihnen Schutz und Pflege angedeihen zu lassen. So war die ganze Lisdorfer Bevölkerung entsetzt und fassungslos, als der Kindergarten in der Nacht zum 09. November 1989 lichterloh brannte. Nur durch den schnellen Einsatz der Lisdorfer Feuerwehr konnte das völlige Abbrennen des Gebäudes verhindert werden. Nun mußte wieder umgezogen werden. Die Kinder konnten im Pfarrsaal, dem Pfarrheim und in der Grundschule untergebracht werden. Am 16. Februar 1990 waren die Renovierungsarbeiten abgeschlossen, und die Kinder nahmen ihren Kindergarten wieder in Besitz. Heute ist der große Schreck überwunden und die Kinder erfreuen sich an dem Erlebten im Kindergarten.